Lagotto Romagnolo Hündin Biscaya aus dem Orketal - genannt Bea

Viele Tierschutzhunde leben bei uns, nur wenige Wochen bis hin zu 8 Jahren lang, denn auch wir gehörten zu den Pflegestellen-Versagern 😉

Nicht zuletzt angeregt durch meine Trainerausbildung entstand langsam der Wunsch, einen Welpen bei uns aufzunehmen. Doch welche Rasse? Ich wünschte mir einen Hund mit hohem Aktivitätsvermögen, hoher Arbeitsbereitschaft, aber nicht wieder ein Retriever - ich werde älter und wollte den Hund auch selber tragen können, falls notwendig.

So wurde ich auf die eher seltene Rasse der Italienischen Wasserhunde, dem Lagotto Romagnolo aufmerksam.
Es sind Hunde, die zum Arbeiten gezüchtet wurden, Nasenhunde, hochbeinige, schnelle und wendige Hunde, eher klein im Vergleich zu den Retrievern, wasserliebend, sensibel, leichtführig, körperlich robust und sie haben auch eine gewisse Portion Wachsamkeit und Eigensinn. Laut Rassestandard wurde der Jagdtrieb herausgezüchtet, doch mehrere Besuche bei Züchtern lehrten mich das Gegenteil ;) Bestechend auch der Gedanke, keine Hundehaare mehr an Kleidung, Teppichen und in der Wohnung zu haben. Naja, die gewonnene Zeit muss man in das Anti-Filz-Programm, also die Fellpflege stecken 😉 Wenn die Hunde erwachsen sind, hört das Filzen meistens auf.

Nach etwa eineinhalb Jahren Suchen, Züchterbesuchen, Entscheidungsfindung zog dann im August 2014 Bea bei uns ein und ich habe es keinen Tag bereut.

Sie hat sich zu einem tollen, sicheren Hund entwickelt, sucht hervorragend Trüffel, liebt das Hoopers-Agility, Mantrailing und kommt in der Hundeschule wunderbar zurecht. Oft setze ich sie als Partnerhund im Hundetraining ein, sie ist mit anderen Hunden nicht aufdringlich, spielt aber gerne, wenn der andere Hund auch will. Außerdem ist sie eine Meisterin in der konditionierten Entspannung und so kann sie aufgeregte Hunde auch gut "herunterholen".

Bea hat auf einigen Zuchtausstellungen hervorragende Ergebnisse bekommen, ist HD und ED frei, Furnishing und JE frei...somit alle Voraussetzungen für eine Zuchthündin erfüllt. Zähne zeigen mag sie nicht, aber wenn ich sie dem Richter zeige, ist es kein Problem. Die VDH-Ausstellungen sind doch für die Hunde eine harte Geduldsprobe, ohne Ausweichmöglichkeit mit so vielen Hunden auf engstem Raum, extremer Lärm und distanzlose Menschen... dafür macht sie ihre Sache echt super. Ich werde bestimmt kein Freund dieser Riesenausstellungen und hoffe, dass es bald einen Lagotto - Zuchtverein gibt, damit diese Riesenausstellungen der Vergangenheit angehören. Ich werde sie im Dezember 2016 zur Zuchtzulassungsprüfung vorstellen und wenn alles gut geht, gibt es dann nächstes Jahr ihren ersten Wurf.

Ja, soweit mein Text bis zum Dezember 2016. Auf der Zuchtzulassungsprüfung sind wir durchgefallen trotz hervorragender Vorbereitung. Das umfallende Flipchart, der extrem unfreundliche Richter von der vorherigen Ausstellung - da kam wohl alles zusammen aus den vorigen Ausstellungen. Sie weigerte sich, im Ring angefasst zu werden - außerhalb war das kein Problem. Danach ging ich sicherheitshalber eine Woche nach Oberammergau zu meiner Ausbilderin Dr. Ute Blaschke-Berthold, um das Anfassen neu aufzubauen. Das haben wir gut geschafft 😍 Beas freundliche Ausweichen vor einem nach vorne gebeugten, Hand ausstreckendem Menschen ist ja auch einfach nur normales hundliches Verhalten. Lieber lasse ich sie ausweichen, als dass ich einen Hund habe, der nach vorne geht. Auf dem Tisch und im Alltag ist das Anfassen weiterhin wunderbar möglich.

Leider ist jetzt (Sommer 2017) ein anderer Faktor aufgetreten, der Bea komplett aus der Zucht herausnimmmt. Sie hat Epilepsie. Das ist bekanntermaßen in der Rasse oft vorhanden (und sollten nicht mit der juvenilen Epilepsie verwechselt werden, da ist sie ja keine Trägerin, wie der Gentest gezeigt hat). Für mich ist klar: mit diesem Hund und dieser Linie werde ich auf keinen Fall züchten. Ich bin sehr erschüttert darüber.

Leider darf sie jetzt auch nicht mehr Schwimmen gehen. Und ohne Leine weit weg herumstöbern. Das ist alles sehr schade und ich hoffe, dass die Anfälle selten bleiben und die Medikamente gut wirken